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Philosophie und Kulturwissenschaften im deutsch-russischen Ideentransfer der 1920er Jahre

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In der Geschichte des deutsch-russischen Ideentransfers des 20. Jahrhunderts stellt die Wirkung der RussischenStaatlichen) Akademie für Kunstwissenschaften (russ. Abkürzung: RAChN bzw. GAChN) eines der produktivsten und bislang am wenigsten erforschten Kapitel dar. Gegründet 1921 als „höchste Forschungseinrichtung zum Zweck der allseitigen Erforschung aller Arten der Künste und der künstlerischen Kultur" konnte sie in dem knappen Jahrzehnt ihres Bestehens (bis 1929) ein breites Feld an Tätigkeiten entwickeln, die einer Neubestimmung der Kulturwissenschaften sowie ihrer Verbindung mit der Praxis der Kulturarbeit galten. (später:

Zwar ist die Akademie im Zuge der kulturpolitischen Maßnahmen der neuen bolschewistischen Regierung entstanden und war daher von Anfang an mit dem ideologischen Auftrag, eine sozialistische Kultur des ‚neuen Menschen' zu schaffen, verbunden. Sie konnte sich im Laufe ihrer Aktivitäten jedoch als eine Wirkungsstätte autonomer Kulturforschung und theoretischer Reflexion behaupten, die die führenden Intellektuellen Russlands vereinigte. An der Gründung und weiteren Gestaltung der Akademie waren Philosophen, Kultur- und Kunstwissenschaftler, Künstler, Theater- und Musikleute wie Gustav Špet, Aleksej Losev, Vassilij Kandinskij, Konstantin Stanislavskij, Aleksandr Gabričevskij u.v.a. beteiligt.

Die GAChN wurde als eine Institution konzipiert, die die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Kunst mit der künstlerischen Praxis und der Kunstpädagogik verbinden sollte. Ihre Organisationsstruktur, orientiert an der Vorstellung einer ‚Synthese aller Künste', realisierte das Konzept einer Zusammenarbeit sämtlicher Wissenschaften, die sich mit der Kunst und Kultur befassen: Die Schwerpunkte der Forschung wurden in drei Abteilungen - der psychophysischen (experimentalpsychologischen), der soziologischen und der philosophischen - konzentriert, denen zahlreiche Sektionen und Laboratorien untergeordnet wurden, die sich mit der Praxis einzelner Künste und der Literatur beschäftigten. Damit konnten nicht allein die historischen Kulturwissenschaften, sondern auch die Psychologie und die Naturwissenschaften vom Menschen in die Forschungsarbeit der Akademie einbezogen werden.

Dieses institutionelle Konzept sowie seine philosophische Fundierung entstanden im Zuge der Rezeption und einer intensiven Auseinandersetzung mit den deutschen Theoretikern des geisteswissenschaftlichen Wissens, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts die autonomen Grundlagen der Forschung in den Geisteswissenschaften ausarbeiteten. Den wichtigsten Beitrag zu diesem Transferprozess hat der russische Philosoph und Husserl-Schüler Gustav G. Špet (1879-1937) geleistet, der den phänomenologisch-hermeneutischen Ansatz (Husserl, W. Dilthey, Dilthey-Schule), die an W. v. Humboldt anknüpfende Sprachphilosophie sowie Konzepte einer ‚allgemeinen Kunstwissenschaft' (K. Fiedler, M. Dessoir, E. Utitz) für die russische Kulturwissenschaft fruchtbar machte. Von 1923 bis 1929 als Vize-Präsident der GAChN und als Leiter ihrer philosophischen Abteilung tätig, konnte Špet sowie der Kreis seiner Schüler und Mitarbeiter ein weitverzweigtes Netz an Forschungsaktivitäten entfalten, die der Diskussion und der Ausarbeitung der philosophischen Grundlagen der Kunst- und Kulturwissenschaften galten.

Diesen Transferprozess und seinen vielfältigen theoretischen Ertrag zu analysieren, ist das Ziel des Forschungsprojekts. Im Mittelpunkt der Untersuchung soll die Wirkung von Gustav Špet und des ‚Špet-Kreises' an der GAChN stehen, denen die wichtigste Rolle in der Formulierung einer theoretischen Basis für die Integration der kulturwissenschaftlichen Forschung zukommt.

 
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